FrightFriday – Psycho (1960) von Alfred Hitchcock

Eigentlich hätte es dieser Film verdient in der Kultecke zu landen, jedoch passt er ebenso gut in das Sujet des FrightFriday. Entscheidet doch selbst. War er nicht quasi sogar der erste Slashermovie seiner Zeit? Sollte ich jemanden spoilern, entschuldige ich mich jetzt bereits.

Der beste Freund eines Mannes ist seine Mutter.

Die Story

Die junge Marion unterschlägt 40.000 Dollar. Auf ihrer Flucht gelangt sie nachts an das, abseits der Straße gelegene „Bates Motel“, das von dem schüchternen Norman Bates und seiner herrschsüchtigen Mutter geleitet wird. Aber Marions Versteck ist ein Haus der Angst und des Wahnsinns…. (Quelle Amazon)

Die Charaktere

Marion Crane: Gespielt wurde sie von Janet Leigh und klaut ihrem Chef 40.000 Dollar, mit denen, sie mit ihrem Liebhaber, Sam Loomis ein sorgenfreies Leben starten will. Auf dem Weg zu ihrem Liebhaber, tauscht sie ihren Wagen gegen einen anderen aus, um nicht behelligt zu werden. Spät in der Nacht erreicht sie das „Bates Motel“ und kommt in Zimmer 1 unter. Währrend sie sich für die Nacht fertig macht, beobachtet Norman sie heimlich. Unter der Dusche wird sie erstochen, was damals ein Schocker war, da man den Mord hautnah miterlebte.

Sam Loomis: Er wird von John Gavin portraitiert. Er ist Besitzer eines Eisenwarengeschäftes mit dem Namen „Sam Loomis Hardwares“. Er ist geschieden und muss seiner Exfrau Unterhalt bezahlen. Bisher traf er sich mit Marion immer in Stundenhotels. Was ihr nicht ausreicht. Dadurch ist er in einem inneren Konflikt. Erst durch den Besuch von Marions Schwester, erfährt er von dem Diebstahl des Geldes und das Marion vermisst wird.

Norman Bates: Ist der Sohn von Norma Bates und wird von Anthony Perkins dargestellt. Als Besitzer des Motels hat er mit der neu gebauten Schnellstraße zu kämpfen, die für verringerte Gästezahlen sorgt. Seine Interessen gelten der Präparation von Tieren. Er ist ein recht schüchterner Mensch, der unter der Herrschaft seiner Mutter lebt.

Norma Bates: Ist die Matriarchin im Hause Bates. Das besondere an ihr ist, dass sie alles dafür tun würde, dass ihr Sohn nur auf sie hört. Und keine andere Frau erscheint ihr gut genug für ihren Norman. Sie existiert nur im Kopf von Norman, da sie bereits seit 10 Jahren Tot ist.

Alle Beteiligten des Films scheinen etwas zu verstecken, zu verbergen oder zu verheimlichen: Beziehungen (Marion und Sam), Schmerztabletten (Marions Arbeitskollegin), Whiskey (Marions Chef), Geld (Marion) oder die Mutter (Norman Bates).

Unterschiede zum Roman

Der Ursprungsroman von Robert Bloch erschien im Jahre 1959 und wurde von der Festsetzung Ed Gein´s in der Nähe von Bloch´s Wohnort in Wisconsin inspiriert. Folgende Unterschiede fallen vor allem ins Gewicht:

Das erste Mordopfer heißt Mary Crane
Norman ist als dick und nicht sehr ansehnlich beschrieben
Lila und Mary sehen sich so ähnlich, dass sie häufig verwechselt werden
beginnt mit einer Auseinandersetzung zwischen Norman und seiner Mutter
Mary wechselt mehrfach das Fahrzeug, bleibt auf der Fahrt aber unbehelligt
Norman nimmt Mary zum Abendessen mit in sein Haus
Mary trägt sich unter dem gänzlich fiktiven Namen Jane Wilson ein
Norman gibt Mary Zimmer 6
Mary wird unter der Dusche enthauptet
Arbogast wird noch an der Tür mit einem Rasiermesser ermordet
Lila findet in Raum 6 des Motels Marys Ohrring
Norman gesteht Sam halb betrunken, dass er seine Mutter exhumiert und wiederbelebt hat
Sam interviewt einen Psychiater und erklärt dann Lila (und dem Leser) die Hintergründe von Normans Krankheit

(Quelle Wikipedia)

Besonderheiten des Films die ihn zu einem Meisterwerk machen

Der Film wurde mit einem 50 mm Objektiv gedreht, da dies am ehesten dem menschlichen Blickfeld entspricht und der Zuschauer so das Gefühl hat, das Geschehen hautnah mitzuerleben.

Hitchcock kaufte einen Großteil der Romane auf, um zu verhindern, dass die Zuschauer noch vor dem Kinobesuch das Ende des Filmes erfahren.

Die Crew und die Schauspieler erfuhren erst im letzten Moment das Norma Bates ausgestopft im Keller sitzen würde, er ließ sogar einen Stuhl mit der Aufschrift Mrs. Bates aufstellen um den Eindruck zu vermitteln, dass die Rolle wirklich bestünde.

Der Film war einer der ersten, der eine offenstehende Toilette zeigte. Zensurtechnisch durchlief der Film mehrere Male einer Neuprüfung. Wobei zum Beispiel die Duschszene erst beanstandet wurde, aber von Hitchcock unverändert neueingereicht wurde, um dann in dieser Form freigegeben zu werden.

Die Crew und Schauspieler verpflichteten sich bereits am ersten Tag, nichts über das Ende des Films an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen.

In den Szenen, in denen Norman Bates mit verstellter Stimme spricht, sind in der Originalversion die Stimmen von Paul Jasmin, Virginia Gregg und Jeanette Nolan zu hören.

Die Werbeauftritte wurden von Hitchcock selbst absolviert, da er befürchtete, dass die Schauspieler das Ende des Filmes verraten könnten.

In einem 6 minütigen Kinovorfilm aus dem Frühjahr 1960 führte der Meister selbst durch die Räumlichkeiten vom „Bates Motel“.

Hitchcock wollte im Anschluss an Psycho einen Film drehen (The Blind Man), bei dem wesentliche Szenen im Disneyland spielen. Walt Disney verweigerte hierzu jedoch seine Zustimmung, da er Psycho abstoßend und widerwärtig fand. Auch aus diesem Grund kam der Film nie zustande.

Das Kennzeichen des Wagens, den Marion kauft, lautet NFB-418 (Norman Francis Bates’ Initialen).

Tricks bei der Aufnahme um das Grauen zu vertiefen

Als Blutersatz nutzte man flüssige Schokolade der Marke Bosco, da diese in schwarz-weiss Blut am ähnlichsten sah.

Der Duschkopf, den man in einigen Einstellungen von unten sieht, war in Wirklichkeit ein Modell mit fast zwei Metern Durchmesser, das erlaubte, die Wasserstrahlen an der Kamera vorbei zu richten (keine Tropfen auf dem Objektiv).

Um dem Mord einen echten „Klang“ zu geben mussten etliche türkische Wassermelonen ihr Leben lassen, so konnte die Crew nebenbei ihrem Frust  ablassen. Hiermit rufe ich eine Gedenkminute für die zahlreichen Opfer aus. Rest in Pieces Wassermelone.

Spaltungen und Brüche spielen eine zentrale Rolle, angefangen beim zerschnittenen Vorspann, die staccatohafte Musik, über Norman Bates’ gespaltene Persönlichkeit, bis hin zur Bildgestaltung, die sich aus horizontalen und vertikalen Linien zusammensetzt. Der Zuschauer ist innerlich zerrissen, da er sowohl für Marion Crane als auch für Norman Bates gewisse Sympathien empfindet.

Einflüsse auf die Popkultur

Wusstet ihr das der Film „Halloween“ von Carpenter mehrere Anspielungen auf den Klassiker benutzt? Jamie Lee Curtis ist die Tochter von Janet Leigh im realen Leben, der Psychiater von Michael Myers heisst Sam Loomis, und Marion Chambers setzt sich aus dem Namen des ersten Opfers (Marion Crane) und des Sheriffs (Al Chambers) zusammen.

Die Simpsons haben desöfteren bei Psycho stibitzt, siehe diese Aufzählung von Episoden. Die Szene in der Marions Chef die Straße überquert, wird von Quentin Tarantino in Pulp Fiction honoriert.

Das Phantom Manor im Disneyland Paris ist von dem Stil des Bates Hauses inspiriert.

Im Film Die schrillen Vier auf Achse erschreckt Clark Griswold seine Frau Ellen  unter der Dusche mit einer Banane statt einem Messer. Diese Szene ist mit fast derselben Musik wie die Dusch-Szene aus Psycho unterlegt. Und in dem Spiel „Unterwegs in Düsterburg“, welches mit dem RPG Maker erstellt wurde, existiert ein „Herr Bloch“, der den Spieler im späteren Verlauf in Frauenkleidern mit einem Messer angreift.

Fazit

Für mich klar ein Klassiker des Genres, der zum einen 3 Fortsetzungen, ein 1:1 Remake und eine Fernsehserie (zu der demnächst mehr folgt) nach sich zog. Es ist kaum verwunderlich, dass der Film zu seiner Zeit derart schockierend auf das Publikum wirkte. Gerade Norman Bates gilt aufgrund dessen, quasi als Urvater aller Slasher. Ich für meinen Teil, liebe das Original und bin begeistert von der Serie „Bates Motel“, die das ganze in die heutige Zeit transferiert. Freddie Highmore ist ein würdiger Nachfolger von Anthony Perkins.

5 von 5 Küchenmessern

NerfHerder1337

Baujahr 1983, Fan von Sci-Fi (vorallem Star Wars), Fantasy, Lego, Disney, Dystopien, Movies, Retro-Games, Photographie, Geschichtsdokus, B-Movies, Eastern, Western (Vorallem Spaghettiwestern)

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