Stephen Hawking: „Eine wunderbare Zeit zu leben“ – Bookreview

Stephen Hawking, einer der bedeutendsten Wissenschaftler der Welt, der aber auch aus der heutigen Popkultur nicht weg zu denken ist. Jeder Nerd kennt ihn sicherlich für seine Arbeiten und deutlichen Aussagen, aber auch durch seine Gastauftritte in Serien wie Star Trek, The Big Bang Theory oder The Simpsons.

Am 8. Januar 1942 wurde Stephen Hawking geboren und verstarb am 14. März 2018. Er war theoretischer Physiker und Astrophysiker. 30 Jahre lang war er Inhaber des Lucasischen Lehrstuhls für Mathematik an der Universität von Cambridge, in den Bereichen Theoretische Physik und Kosmologie.

Doch was war so besonders an ihm, dass er auch unter Nerds und Geeks so beliebt war? Auch mich hat dieser Mann fasziniert und war mir schon immer ein großes Anliegen eines seiner Bücher zu lesen. Da es, wie Stephen Hawking selbst sagte, schwer für ihn war seine komplexen Gedanken alltagstauglich zu formulieren, habe ich mich lange Zeit nicht getraut mich an eines seiner Werke zu versuchen.

Durch Zufall entdeckte ich „Eine wunderbare Zeit zu leben“. Es erschien 2016 im Rowohlt Taschenbuch Verlag und schien mir mit 144 Seiten und einem günstigen Preis von 10,00 € der perfekte Einstieg zu sein. Nach einem kurzen Vorwort beginnt Stephen Hawking damit seine Geschichte zu erzählen. Ich möchte niemanden spoilern, deshalb werde ich die einzelnen Kapitel nur sehr kurz vorstellen und auch nur kurz erwähnen, worum es darin geht, ohne nähere Details zu erwähnen.


Kapitel 1: Kindheit

Stephen stellt kurz seine Eltern vor und erzählt von seiner Kindheit. Wer schon im Kindesalter ein Genie erwartet, wird schnell enttäuscht. Zwar erfahren wir das Hawking eine große Leidenschaft für Eisenbahnen hat (Anm. eine Gemeinsamkeit mit Sheldon Cooper, TBBT) und dass dadurch das Interesse wuchs, immer zu wissen, wie etwas funktionierte. Aber der Leser wird auch damit überrascht, dass Stephen Hawking zu früh in den Kindergarten geschickt wurde und mit der Situation dort so überfordert war, dass er erst später regelmäßig dorthin ging.


Kapitel 2: St. Albans

Die Familie zog von Highgate nach St. Albans, wo sich plötzlich alles veränderte. Während die Hawkings in Highgate als normale Durchschnittsfamilie galten, wurden sie in St. Albans als exzentrisch angesehen. Dies lag wahrscheinlich am ausgeprägten Geiz des Vaters. Stephen lebte mit seiner Mutter eine ganze Weile auf Mallorca bevor sie zurück nach England gingen und Stephen ein Schulwechsel bevor stand, für den er aus krankheitsbedingt kein Stipendium erhielt. Außerdem gab es zwischen Stephen und seinem Vater große Unstimmigkeiten, was die Studienwahl betraf.


Kapitel 3: Oxford

Während die Familie Hawking eine längere Zeit in Indien lebte, musste Stephen in England bleiben, um sich für ein Stipendium zu bewerben. Erst in den Ferien konnte er hinterher reisen und die fremde Kultur kennen lernen. Obwohl Stephen eigentlich zu jung war, wurde er in Oxford angenommen. Die ersten zwei Jahre fühlte er sich dort einsam, doch dann trat er dem Boot Club bei. Er war zwar nicht sonderlich gut, war aber nicht mehr so allein. Auch schulisch war er sehr faul und nicht gerade als Musterschüler bekannt. Dennoch wollte er in die Forschung gehen. Der Wunsch führte ihn nach Cambridge.


Kapitel 4: Meine Erfahrung mit ALS

Stephen war schon als Kind nie sonderlich sportlich, doch sein Zustand verschlechterte sich immer weiter. Anfangs waren die Ärzte ratlos, bis sie ALS diagnostizierten. Der junge Student fiel in ein tiefes Loch, fand das Leben unfair und wusste nicht weiter. Dass er zu dieser Zeit auch ein Alkoholproblem hatte, ist allerdings eine Erfindung der Medien. Durch ein Erlebnis im Krankenhaus kehrte sein Lebenswille zurück und durch Träume über den Tod kamen ihm Dinge in den Sinn, die er unbedingt noch machen wollte. Stephen Hawking gab die Hoffnung nie auf und war sowohl privat, als auch beruflich mit seinem Leben zufrieden.


Kapitel 5: Was ist Wirklichkeit?

Ab hier wird das Buch weniger privat und beschäftigt sich mehr mit Stephens Arbeiten. Nun wird es auch deutlich komplizierter zu lesen. Dennoch kann man auch als Laie gut verstehen worauf Hawking hinaus wollte. Er vergleicht die Wirklichkeit der Menschen mit der Wirklichkeit von Goldfischen. Beide nehmen ihre Wirklichkeit, ihre Umgebung, unterschiedlich wahr. Aber ist unsere Wirklichkeit dadurch realer, als die der Goldfische? Stephen Hawking vergleicht dabei die Entwicklung der Weltanschauung von Aristoteles, über Kopernikus und Galilei, bis hin zu Matrix und einer Welt mit Aliens. Er thematisiert den Streit zwischen Realisten und Antirealisten und stellt dabei interessante Fragen wie: Wir sind in einem Raum und darin steht ein Tisch. Wenn wir den Raum verlassen, gehen wir davon aus, dass der Tisch noch da ist. Er ist nicht sichtbar, aber dennoch da. Aber wie können wir uns seiner Existenz so sicher sein? Stephen Hawking ist Naturwissenschaftler, wodurch der Urknall für ihn mehr Sinn ergibt. Dennoch gibt er auch zu, dass die Ansicht, Gott habe die Erde erschaffen, ebenfalls real ist. Diese ganze Thematik, das gesamte Kapitel ist relativ komplex und es wäre schon ratsam ein gewisses Interesse an dieser Thematik zu haben.


Kapitel 6: Schwarze Löcher und Baby-Universen

Nun geht es richtig Richtung Wissenschaft. Stephen Hawking geht in diesem Kapitel auf schwarze Löcher ein, wie sie entstanden sind und funktionieren und er geht dabei auf die Frage ein ob sie tatsächlich als Transportmöglichkeit genutzt werden könnten, wie es in Sci-Fi-Medien oft dargestellt wird. Das Besondere an diesen Erklärungen ist, dass sie recht simpel gehalten sind und sehr humorvoll präsentiert werden. Auch wenn man manchmal noch einmal genauer nachlesen muss und noch einmal intensiv darüber nachdenken muss, macht es dennoch sehr viel Spaß und die Vergleiche lassen einen häufig schmunzeln.


Kapitel 7: Informationserhaltung und Wettervorhersage für Schwarze Löcher

Zu diesem Kapitel lässt dich nicht so viel sagen, da es sich dabei schon um eine Kurzfassung eines recht detaillierten und in Fachsprache verfassten Exkurses zum Thema Schwarze Löcher handelt.


Kapitel 8: Bernd Schuh: Die Haare der Schwarzen Löcher. Stephen Hawking und die Erforschung der kosmischen Monster.

Wie die Kapitelüberschrift bereits verrät schreibt Stephen Hawking hier nicht selbst, sondern Bernd Schuh, der die Arbeit Hawkings genauer betrachtet, u. a. auch das voran gegangene Kapitel. Schuh schaut sich die Entwicklung der Theorien zum Thema Schwarze Löcher an. Von Newtons ersten Entdeckungen, über Einsteins Relativitätstheorie, zu Wheeler, der erstmals in den 1960ern Schwarze Löcher als Begriff verwendete. Gefolgt von der Entstehung der Quantentheorie durch Stephen Hawking 1974 bzw. 1975. Durch diese Theorie spalten sich die Wissenschaftler in zwei Lager: Die, die an Einsteins Relativitätstheorie festhalten und die, die Hawkings Quantentheorie für wahrscheinlicher halten. Ein „Krieg um das Schwarze Loch“ wird entfacht und eine endlose Diskussion beginnt. Auch Hawkings selbst zweifelt zwischenzeitlich an seiner Theorie. 2013 widerlegt er sie sogar und schreibt Schwarzen Löchern 2015 bzw. 2016, in Zusammenarbeit mit Perry und Stominger ganz neue Eigenschaften zu.


Kapitel 9: Keine Grenzen

Im abschließenden Kapitel meldet sich Hawkins noch einmal persönlich zu Wort. 50 Jahre nach der ALS Diagnose schaut er zufrieden auf sein Leben zurück. Er war zweimal glücklich verheiratet, hat Kinder und beruflich hat er viel erreicht. Stolz kann er sagen, dass er außer Australien alle Kontinente bereist hat und zu seinen Highlights gehörten eine U-Boot-Fahrt, eine Fahrt im Heißluft-Ballon, sowie ein Flug in der Schwerelosigkeit.

Über die Einschränkungen in seinem Leben sagte er:

„Meiner Meinung nach sollten sich behinderte Menschen auf die Dinge konzentrieren, die ihnen möglich sind, statt solchen hinterherzutrauern, die ihnen nicht möglich sind.“

(S. 138)

Und über sein Leben in der Wissenschaft folgendes:

„Es war wunderbar, in dieser Zeit zu leben und auf dem Gebiet der theoretischen Physik zu forschen. Falls ich etwas zum Verständnis unseres Universums beitragen konnte, wäre mein Glück vollkommen.“

(S. 140)

Fazit:

Ich muss zugeben, dass es schon teilweise anstrengend war, als es um die wissenschaftlichen Themen ging. Dennoch war, wenn man ein wenig darüber nachdachte, alles verständlich und vorallem auch sehr interessant. Man lernt Stephen Hawking von einer Seite kennen, die man so nur selten gezeigt bekommt. Dass er ein kluger Mann war, steht wohl außer Frage. Doch hier lernt man auch einen bodenständigen, humorvollen und bescheidenen Menschen kennen.

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